Speyer prüft und entwickelt den Hitzeschutz weiter
Extreme Hitze kann auch für die Gefahrenabwehr zur Belastungsprobe werden. Die Stadt Speyer stellt deshalb die Frage, wie gut sie auf längere Hitzeperioden vorbereitet ist und wo bestehende Strukturen an ihre Grenzen kommen. Nach Angaben der Stadt hat die jüngste Hitzewelle Anlass gegeben, den Hitzeschutz genauer zu prüfen und weiterzuentwickeln.
Um die Erfahrungen auszuwerten, hat der Brand- und Katastrophenschutz einen Runden Tisch mit Krankenhäusern, Rettungsdiensten und weiteren beteiligten Akteuren eingerichtet. In einer dreiteiligen Interviewreihe erläutert Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Peter Eymann, welche Erkenntnisse die extreme Hitze gebracht hat, wie sich die Stadt organisatorisch vorbereitet und welche Maßnahmen daraus entstehen sollen. Der zweite Teil widmet sich der Zusammenarbeit innerhalb und außerhalb der Stadtverwaltung.
Krankenhausversorgung war nur knapp gesichert
Den konkreten Anlass für den Runden Tisch sieht die Stadt in den Gesprächen mit den Krankenhäusern. Demnach wurde deutlich, dass die Krankenhausversorgung „wirklich auf den letzten Schnapper“ noch gewährleistet gewesen sei und nichts mehr habe hinzukommen können. Diese Rückmeldung habe alarmiert und dazu geführt, den Runde Tisch einzuberufen.
Im Mittelpunkt steht aus Sicht des Brand- und Katastrophenschutzes die Frage, wie zu reagieren wäre, wenn das Gesundheitssystem einem großen Anfall hitzegeschädigter Menschen nicht mehr gerecht werden könnte. In einem solchen Fall, so die Einordnung der Stadt, würde es sich um einen Einsatz des Brand- und Katastrophenschutzes handeln.
Vorbereitung auf mögliche Behelfslösungen
Als mögliches Szenario nennt die Stadt Behelfskrankenstationen in klimatisierten Räumen, wie sie in anderen Städten eingerichtet worden seien. Dort könnten Menschen untergebracht werden, die nach Einschätzung der Ärzteschaft keine Notfälle seien, sondern sich vor allem ausruhen und in einem kühlen Raum aufhalten müssten. Gleichzeitig müssten Notfallpatienten weiter in den Notaufnahmen versorgt werden.
Für die Vorbereitung auf ein solches Szenario mussten laut Stadt neben den beiden Krankenhäusern auch die Strukturen des Katastrophenschutzes beteiligt werden. Dazu zählen die Schnelleinsatzgruppen und die sogenannte Abschnittsleitung Gesundheit mit dem Leitenden Notarzt und dem Organisatorischen Leiter Katastrophenschutz.
Gebäudemanagement und städtische Räume gefragt
Wenn städtischer Raum für eine Behelfskrankenstation gebraucht würde, müsse auch das Gebäudemanagement eingebunden werden, heißt es in der Mitteilung. Es verwalte die städtischen Räumlichkeiten. Eine klare Anforderung sei gewesen, dass der Raum klimatisiert sein müsse. Derzeit könne die Stadt nach eigenen Angaben auf keinen entsprechenden Raum zurückgreifen.
Deshalb sei es wichtig gewesen, das Gebäudemanagement zu sensibilisieren, damit es sich auch auf den kommenden Haushalt vorbereiten könne. Als möglicher Raum wird der Kleine Saal in der Stadthalle genannt. Auch der Bereich Klimaschutz und die Stadtentwicklung müssten nach Darstellung der Stadt mit am Tisch sitzen.
Kleiner Saal der Stadthalle als mögliche Option
Auf die Frage, ob der Kleine Saal der Stadthalle als Behelfskrankenstation genutzt werden könnte, verweist die Stadt darauf, dass dieser dafür grundsätzlich prädestiniert wäre. Gleichzeitig werden Einschränkungen genannt, die sich für parallel geplante oder durchzuführende Veranstaltungen ergeben könnten.
Betreuung ist keine reine Gefahrenabwehraufgabe
Der Aufbau einer Behelfskrankenstation könne nur vom Katastrophenschutz geleistet werden. Auch der Erstbetrieb und gegebenenfalls ein Sanitätsdienst lägen nach Angaben der Stadt allein in dessen Zuständigkeit. Gleichzeitig gehe es bei hitzegeschädigten Menschen auch um Betreuung und Gespräche mit Personen, die keine Notfallpatienten seien. Das sei eine soziale Aufgabe und keine Gefahrenabwehraufgabe.
Nach Auffassung der Stadt müsse deshalb der zuständige Fachbereich klären, wie Betreuer und Ansprechpartner eingebunden werden können. Auch die Seniorenbeauftragte wird als wichtige Ansprechpartnerin genannt, da Senioren zu den vulnerablen Gruppen zählen. Ziel sei es, durch Prävention zu erreichen, dass Menschen gar nicht erst ins Krankenhaus kommen und das System nicht überlastet wird.
Alarm- und Einsatzplan soll regelmäßig fortgeschrieben werden
Die künftige Vorbereitung auf Hitzeperioden soll nach den Worten von Peter Eymann durch konkrete Maßnahmen im Alarm- und Einsatzplan Hitzeschutz abgesichert werden. Danach soll sich die Stadt jeweils im Mai zusammensetzen und für die kommende Hitzeperiode besprechen, welche Maßnahmen greifen. Als wichtiger Maßstab gilt demnach, wenn der Deutsche Wetterdienst in die Hitzewarnstufen einsteigt.
Der Runde Tisch soll dabei nicht nur einmal stattfinden. Nach dem Konzept der Stadt sollen sich die wichtigen Akteure in jeder ersten Maiwoche mit Blick auf mögliche Ergänzungen und neue Bedarfe treffen. Zugleich soll es auch bedarfsbezogene Treffen im Jahresverlauf geben. Die Leitungsebene habe bereits in großem Kreis mit etwa 20 Personen beraten; auf Arbeitsebene sollen nun die Ergebnisse weiterbearbeitet werden.
Die Stadt kann sich zudem vorstellen, den vergangenen Sommer im Herbst noch einmal rückblickend zu bewerten und den Alarm- und Einsatzplan Hitzeschutz erneut vorzustellen. Die Maßnahmen sollen damit nicht erst beim nächsten Mai weitergeführt werden, sondern über das Jahr hinweg vorbereitet und abgestimmt werden.
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