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Ernst-Bloch-Preise vergeben: Éric Vuillard und Ronya Othmann geehrt

Stadt am Rhein würdigt literarische und philosophische Werke bei Preisverleihung am 20. November

Die Stadt am Rhein verleiht am Donnerstag, 20. November, um 17 Uhr in der Walzmühlstraße 63 die diesjährigen Ernst-Bloch-Preise. Die feierliche Preisverleihung würdigt außergewöhnliche literarische und wissenschaftliche Leistungen mit philosophischem Anspruch. Die Entscheidung über die Preisträgerinnen und Preisträger wurde am 27. August vom Beirat unter Vorsitz der Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck getroffen.

Jury und Entscheidungsfindung

Die Wahl der Preisträgerinnen und Preisträger basiert auf Empfehlungen einer ausgewählten Jury, die unterschiedliche Perspektiven aus Literatur, Publizistik und Philosophie einbringt. Mitglieder der diesjährigen Jury:

  • Bascha Mika – Publizistin, ehemalige Chefredakteurin der „taz“ und „Frankfurter Rundschau“, Honorarprofessorin für Künste
  • Katharina Teutsch – Literaturkritikerin, Moderatorin und Feuilletonistin für „FAZ“, „Zeit“, „Freitag“ und das Philosophiemagazin
  • Prof. Henning Tegtmeyer – Centre for Metaphysics, Religion and Philosophy of Culture, Katholische Universität Leuven
  • Hauptpreisträger: Éric Vuillard

    Der diesjährige Ernst-Bloch-Preis geht an den französischen Schriftsteller und Regisseur Éric Vuillard. Geboren 1968 in Lyon, ist Vuillard bekannt für literarisch anspruchsvolle Werke, die zentrale Momente der Geschichte neu erzählen. Seine Bücher haben ein eigenes Genre begründet und wurden bereits mit renommierten Auszeichnungen wie dem Prix Goncourt und dem Prix de l’Inaperçu geehrt.

    Mit seinem Werk „Krieg Armen“ widmet sich Vuillard unter anderem dem Leben des Reformators Thomas Müntzer. Die Jury hebt hervor:

    „Ebenso besondere literarisch hochstehende Art der Neuerzählung historischer Ereignisse trägt zur Reanimation eines dialektischen Geschichtsverständnisses im Sinne Blochs bei. Vuillard versteht es, Machtstrukturen, Opportunismus und historische ‚Zufälle‘ sichtbar zu machen – ähnlich wie Geschichte als offenes Feld von Möglichkeiten verstanden wird. Der französische Autor zielt dabei nicht nur auf Rekonstruktion und Aufklärung über gesellschaftliche und politische Mechanismen, sondern impliziert auch eine Aufforderung zur Kritik autoritärer Strukturen.“

    Förderpreisträgerin: Ronya Othmann

    Der Förderpreis geht in diesem Jahr an Ronya Othmann. Die 1993 in München geborene Autorin ist Tochter kurdisch-êzidischer Eltern und schreibt Prosa, Essays sowie journalistische Beiträge. Sie wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem für ihren Debütroman „Sommer“ und den Lyrikband „Verbrechen“. Ihr zweiter Roman „Vierundsiebzig“ wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert und fand ebenfalls große Anerkennung.

    Die Begründung der Jury betont die Relevanz ihrer Werke:

    „Nicht nur wegen der autofiktionalen Erzählweise, die das Subjekt ins Zentrum der Ereignisse rückt, sondern auch wegen der thematisierten Traumata, die durch erlittene Gewalt und politisch-religiöse Wahnvorstellungen verursacht wurden. Sie erinnert und mahnt uns durch ihre Texte, das Leiden der Jesidinnen und Jesiden nicht zu verdrängen oder zu vergessen.“

    Über den Ernst-Bloch-Preis

    Der Ernst-Bloch-Preis wurde 1985 zum 100. Geburtstag des Philosophen Ernst Bloch gestiftet. Er wird alle drei Jahre verliehen und würdigt herausragende wissenschaftliche und literarische Leistungen, die eine philosophische Grundhaltung und kritische Auseinandersetzung mit der Gegenwart fördern. Zusätzlich zum Hauptpreis wird ein Förderpreis vergeben, der gezielt innovative Autorinnen und Autoren unterstützt, um weiterführende Arbeiten zu ermöglichen.

    • Hauptpreis: 10.000 Euro
    • Förderpreis: 2.500 Euro
    • Zu den früheren Ausgezeichneten zählen Pierre Bourdieu, Dan Diner, Şeyla Benhabib, Mithu M. Sanyal (Ernst-Bloch-Preis) und Dr. Hanna Engelmeier (Förderpreis 2021).

      Veranstaltungsdetails und Kontakt

      Die Preisverleihung findet im Rahmen eines Festakts in der Walzmühlstraße 63 statt. Die Organisation erfolgt durch den Bereich Kommunikation und Beteiligung der Stadt am Rhein.

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