Spechtmonitoring im Koblenzer Stadtwald: Modernes Verfahren für Artenvielfalt
Forscher setzen Klangattrappen und Apps ein, um Spechte zu dokumentieren und damit den Naturschutz sowie nachhaltige Waldwirtschaft zu unterstützen

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Im Koblenzer Stadtwald werden in den frühen Morgenstunden besondere Töne hörbar: Statt echtem Spechttrommeln erklingt aus einer Bluetooth-Box der Ruf des Vogels. Miriam Rosenbach, Försterin im Forstrevier Koblenz, setzt hier moderne Techniken ein, um systematisch den Bestand und die Vielfalt der Spechte zu erfassen. Das sogenannte Spechtmonitoring liefert wertvolle Daten für den Naturschutz – und wird zum Vorbild für nachhaltige Waldwirtschaft.
Wie funktioniert das Spechtmonitoring?
Zwischen Februar und März nutzt Miriam Rosenbach spezielle Apps und Klangattrappen, um die verschiedenen Spechtarten im Stadtwald zu dokumentieren. Die Vögel reagieren dabei auf die abgespielten Rufe, weil sie vermuten, ein neuer Rivale betritt ihr Revier oder sucht einen Paarungspartner. Da es sich aber um eine Tonaufnahme handelt, wird die Methode nur zu Forschungszwecken eingesetzt.
Das Monitoring ist eingebettet in das Programm „Überwachung seltener Brutvögel in Rheinland-Pfalz“ (GNOR). Entlang einer jährlich gleichbleibenden Route notiert Rosenbach genau, welche Spechtarten vorkommen und wie häufig sie auftreten. Besonders Arten wie der Kleinspecht, die ohne gezielte Suche leicht übersehen werden, geraten so ins Blickfeld.
Die so erhobenen Daten geben Auskunft über die Artenvielfalt und die Entwicklung der Waldlebensräume – eine wichtige Grundlage für gezielte Schutzmaßnahmen.
Spechte als Schlüsselarten im Ökosystem
Spechte sind weitaus mehr als nur markante Vogelarten: Sie gelten als sogenannte Schlüsselarten in Waldökosystemen. Ihre Anwesenheit zeigt eine reiche Strukturvielfalt an Alt- und Totholz sowie Biotopbäumen an. Zum Beispiel benötigt der Mittelspecht alte Eichen mit vielen abgestorbenen Ästen, während der Kleinspecht lichte Eichenwälder bevorzugt. Der imposante Schwarzspecht wiederum schafft geräumige Bruthöhlen, die später von Tierarten wie Hohltaube, Bilch oder Insekten genutzt werden.
Im Koblenzer Stadtwald sind zahlreiche Spechtarten heimisch, darunter Kleinspecht, Mittelspecht, Schwarzspecht und Grünspecht. Der Buntspecht ist ebenfalls weit verbreitet, wird aber wegen seiner Häufigkeit nicht gesondert erfasst. Die Monitoring-Daten belegen, dass die Maßnahmen zur naturnahen Waldwirtschaft den Spechten zugutekommen.
Naturnahe Waldwirtschaft und ihre Bedeutung
Wald und Holznutzung müssen kein Widerspruch sein. Der naturnahe Stadtwald in Koblenz steht einerseits für Artenvielfalt und den Erhalt von Lebensräumen, andererseits für die nachhaltige Produktion von Holz. Heimisches Holz bindet CO₂ und ersetzt energieintensive Materialien, was einen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Die verantwortungsvolle Bewirtschaftung wahrt die ökologischen Funktionen des Waldes und stellt eine langfristige Nutzung sicher.
Ein Kernelement der naturnahen Bewirtschaftung ist der Erhalt der sogenannten Biotop- und Alt-Totholzgruppen (BAT-Gruppen). Diese aus etwa 15 Bäumen pro drei Hektar bestehenden Gruppen verbleiben sichtbar – markiert durch weiße Wellenlinien – bis zu ihrem natürlichen Verfall im Wald. Sie bieten nicht nur Spechten, sondern auch zahlreichen anderen Tier- und Pflanzenarten wertvolle Lebensstätten.
Freiwilliges Engagement für Forschung und Schutz
Das Spechtmonitoring in Rheinland-Pfalz fußt maßgeblich auf ehrenamtlichem Engagement. Die gesammelten Daten ermöglichen, Schutzmaßnahmen bedarfsgerecht zu planen und den Erfolg von Naturschutzprojekten zu belegen. Wer sich beteiligen oder mehr erfahren möchte, findet weiterführende Informationen auf der offiziellen Website.
Das Beispiel aus Koblenz zeigt, wie moderner Naturschutz, Wissenschaft und nachhaltige Holznutzung Hand in Hand gehen können. Dank strukturierter Erhebung und engagierter Akteure bleibt der Stadtwald nicht nur ein wertvoller Lebensraum für Spechte – sondern für die gesamte Biodiversität.
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